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#ThrowbackFriday: Vor zehn Jahren entstand "Material-Vorteil", ein Technik-Feature.

Als zum Modelljahr 2008 der Porsche 911 GT2 (Generation 997) erschien, wies der so einige Besonderheiten auf. Die Abgasanlage bestand aus hitzefestem Titan. Der Produzent: ein slowenisches Unternehmen mit besten Referenzen aus der Motorrad-Weltmeisterschaft. Beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2008 siegte ein Porsche 911 GT3 RSR (Generation 997) mit einem Titan-Auspuffsystem desselben Herstellers. Und im Porsche Sports Cup startete zeitgleich ein seriennaher Porsche 911 GT3 RS (Typ 997.1) mit Straßenzulassung und einer Abgasanlage aus Titan. An diesem Versuchsträger konnten 24 Kilogramm Gewicht eingespart werden – wohlgemerkt hinter der Hinterachse. Die Auswirkung: mehr Dynamik. Bei Saugmotoren inzwischen ein Gesichtspunkt, der entscheidender ist als ein vages Leistungsversprechen. Carsten Krome berichtet.

 

Nürburgring-Nordschleife, 25. Mai 2008: Porsche feiert den dritten Triumph in Folge beim 24-Stunden-Rennen. Rein äußerlich ist es der Siegerwagen des Vorjahres. Doch über den Winter sind die für die aerodynamische Balance entscheidenden Flügel-Ausleger verboten worden. Lange Zeit wird gerätselt, wie der Verlust an Hebelwirkung kompensiert werden kann. Nach wie vor gelten die 911er als heikel an der Hinterachse. Motor und Getriebe sind hinten platziert, dort konzentriert sich ein Großteil des Gewichts. Der Lösungsansatz liegt auf der Hand: Im Hinterbau Kilogramm abbauen, wo immer es geht! Doch das ist weder einfach noch preisgünstig umzusetzen. Die Porsche-Kundenteams setzen den hoch entwickelten 911 GT3 RSR ein, der kaum Verbesserungspotenziale bietet. Kreativität ist gefordert, um eine zweistellige Kilozahl wegfallen zu lassen. Als Porsche 2007 den 997 GT2 herausbringt, wird die Szene hellhörig, denn: Der neue Leistungsträger verfügt über ein Abgassystem aus hitzefestem Titan.

 

Eigentlich herrscht die Meinung vor, dieser Werkstoff sei für den Einsatz in Hochleistungs-Automobilen nicht geeignet. Porsche-Ingenieure finden heraus, dass ein slowenisches Unternehmen besondere Kenntnisse mit Auspuffanlagen aus Titan besitzt. Igor Akrapovic und seine 460 Angestellten haben sich auf dem Motorrad-Sektor etabliert, sie rüsten verschiedene Weltmeisterschafts-Teams aus. Strukturen, um Porsche zu beliefern, müssen nicht erst installiert werden. Der 997 GT2 ist das erste gemeinsame Projekt und gleichzeitig eine erstklassige Referenz. Auch eine Musteranlage für den 911 GT3 RSR entsteht. Deren handwerkliche Ausarbeitung überrascht. Noch verblüffter reagieren die Teamchefs, als man ihnen den Grund für die präzise ausgeführten Schweißnähte nennt. In der Produktion arbeiten hauptsächlich Frauen. Und die werden nicht nur in Slowenien als akkurat und feinsinnig geschätzt. Als der Prototyp schließlich auf der Waage legt, sind alle Würfel gefallen.

 

Natürlich ist es nicht allein die Titan-Abgasanlage, die die Konkurrenz in die Röhre blicken lässt. Doch sie ist von Stunde an Gesprächsstoff. Die Frage lautet: Was bringt der gewichtsoptimierte Auspuff bei einem Porsche 911 mit Straßenzulassung? Dies zu ergründen, tritt ein seriennaher 911 GT3 RS (Typ 997) im Porsche Sports Cup 2008 an. Katalysator und Schalldämpfer sind verbindlich vorgeschrieben, die Serien-Abgaskrümmer müssen erhalten bleiben. Trotz des restriktiven Reglements gelingt es, 24 Kilogramm Gewicht einzusparen. Wären die Abgaskrümmer freigestellt und dürften sie ebenfalls aus Titan gefertigt werden, wären weitere drei Kilogramm weggefallen. Sämtliche TÜV-Vorschriften werden ohne Einschränkung erfüllt, zumal sich die Motorleistung kaum verändert. Der PS-Zuwachs beträgt zwischen drei und maximal sieben PS, abhängig von der Anpassung der Motronic. Der Material-Vorteil liegt beim Saugmotor-Porsche in verbesserter Dynamik, nicht im Leistungszuwachs. Auch beim 911 GT3 RS zählt jedes einzelne Kilogramm, auf das hinter der Hinterachse verzichtet werden kann.

 

Die technische Umsetzung übernimmt a-workx in Weßling bei München. Niko und Michael Wieth setzen parallel einen Porsche 911 GT3 Cup im Alpenpokal und im Porsche Sports Cup ein, sie sind im Clubsport fest etabliert. Bei den Veranstaltungen haben sie ihren Racetruck dabei, mit dem sie einst in der FIA-GT-Meisterschaft aufgetreten sind. Das Equipment ist vollständig und erlaubt ein professionelles Abstimmen des GT3 RS. Dazu zählt die Arbeit mit dem dreifach justierfähigen KW-Gewindefahrwerk genauso wie die Definition der Spurweite. H&R stellt unterschiedlich dimensionierte Distanzscheiben zur Verfügung. Auf dem mobilen Achsmessstand wird probiert und verändert. Bei den hochentwickelten Saugmotor-Porsche sind große Sprünge illusorisch geworden. Verbesserungen ergeben sich aus der Summe vieler kleiner Schritte. Leichtgewichtige Räder gehören dazu. Sie reduzieren die rotierenden Massen, was Bremsscheiben aus Verbundmaterial ebenfalls bewirken könnten. Gewichtsoptimierte Räder bringen das Potenzial mit, Bremsscheiben aus Verbundmaterial zu kompensieren.

 

Hochwertige Werkstoffe haben lediglich einen Nachteil. Titan zum Beispiel übertrifft den Preis von Edelstahl um das Fünffache. Abgesehen von einer Benzin-Direkteinspritzung oder einer weiteren Hubraum-Erweiterung sind kaum noch Alternativen gegeben, die den 911 GT3 RS weiterzubringen. Der Versuchsträger mit Titan-Auspuff bleibt vorerst ein Einzelstück. Im Porsche Sports Cup darf der deutsche Kartmeister Julian Derckx an seinem Volant drehen. Dass er sich im Feld der GT3 RS weit vorn aufhält, spricht für den eingeschlagenen Weg. Im Alltag mag der Material-Vorteil eher auf emotionaler Ebene liegen – wer würde Leichtfüßigkeit auf Alpenpässen in Sekundenbruchteilen erfassen? Vielmehr ist das eine Königsdisziplin, die den emotionalen Faktor eines jeden Sportwagens ausmacht. Das Potenzial, das sich aus dem Werkstoff Titan ergibt, ist dennoch an Rennstrecken erkannt und aufgegriffen worden. Und das Rennen wird in Zukunft mehr denn je auf der Waage entschieden.

 

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

 

Dieses Feature entstand in seiner Urfassung am Donnerstag, 7. August 2008, beim Porsche Sports Cups in Spa-Francorchamps/B. Mitwirkende: Niko Wieth und Carsten Krome Netzwerkeins (Veröffentlichung in nachbearbeiteter Form im Sinne eines Leistungsnachweises)

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